Viele Menschen verspüren bei Angstanfällen ein schreckliches Gefühl: das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Bei diesem Phänomen, das oft als „Lufthunger“ bezeichnet wird, handelt es sich nicht um tatsächlichen Sauerstoffmangel, sondern um eine Fehlinterpretation körperlicher Empfindungen, die durch die Kampf-oder-Flucht-Reaktion des Gehirns ausgelöst werden.
Wenn Sie dies verstehen, können Sie mit der starken Angst umgehen, die dadurch entsteht.
Die Wissenschaft hinter dem Lufthunger
Der Begriff wurde 1892 geprägt, aber die Sensation ist nach wie vor weit verbreitet. Wenn das Gehirn eine reale oder eingebildete Bedrohung wahrnimmt (z. B. eine stressige Präsentation oder ein vergangenes Trauma), aktiviert es das sympathische Nervensystem. Dies führt zu einer erhöhten Herzfrequenz, Muskelspannung und vor allem zu veränderten Atemmustern.
Der Körper erstickt nicht wirklich; stattdessen erzeugt Hyperventilation oder flaches Atmen das Gefühl der Atemlosigkeit. Dies wird durch den natürlichen menschlichen Instinkt, sich auf die „Reparatur“ der Atmung zu konzentrieren, noch verschlimmert, was ironischerweise den Angstkreislauf verstärkt.
Je mehr man fixiert, desto intensiver wird das Gefühl.
Der Teufelskreis aus Angst und Atemnot
Lufthunger setzt sich oft von selbst fort. Angst führt zu Atemnot, und Schwierigkeiten beim Atmen verstärken die Angst. Die Menschen beginnen, das Gefühl selbst zu fürchten und nicht den anfänglichen Auslöser. Deshalb fühlt es sich so furchterregend an, auch wenn keine wirkliche physiologische Gefahr besteht.
Das Gehirn verstärkt die Wahrnehmung von Schwierigkeiten und lässt sie schlimmer erscheinen, als sie sind.
So bewältigen Sie den Lufthunger im Moment
Glücklicherweise ist dieses Gefühl nur vorübergehend. Wenn es jedoch häufig vorkommt oder schwerwiegend ist, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In den meisten Fällen können einfache Techniken sofortige Linderung verschaffen:
- Kälteexposition: Ein Spritzer kaltes Wasser im Gesicht, eine kalte Dusche oder auch nur ein Spaziergang nach draußen an einem kühlen Tag können die Herzfrequenz verlangsamen und das Nervensystem beruhigen.
- Sensorische Erdung (5-4-3-2-1): Konzentrieren Sie sich auf Ihre Umgebung. Nennen Sie fünf Dinge, die Sie sehen, vier, die Sie berühren können, drei, die Sie hören, zwei, die Sie riechen, und eines, das Sie schmecken. Dies bringt Sie zurück in den gegenwärtigen Moment.
- Haltungskorrektur: Aufrechtes Sitzen oder Stehen öffnet den Brustkorb und ermöglicht eine tiefere Atmung. Durch krummes Sitzen kann sich die Atemlosigkeit verschlimmern.
- Kontrollierte Atmung (4-7-8): Atmen Sie vier Sekunden lang ein, halten Sie sieben Sekunden lang gedrückt und atmen Sie acht Sekunden lang langsam aus. Dadurch wird der Parasympathikus aktiviert, was Sicherheit und Entspannung signalisiert.
- Kognitives Reframing: Erinnern Sie sich daran, dass Lufthunger eine Wahrnehmung und kein Sauerstoffmangel ist. Ein Perspektivwechsel kann die emotionale Belastung verringern.
- Positives Selbstgespräch: Das Wiederholen von Mantras wie „Ich bin in Sicherheit, das wird vorübergehen“ kann dir dabei helfen, auf dem Boden zu bleiben.
- Schmetterlingsumarmung: Eine Technik, bei der man über den Körper klopft und sich dabei auf die Atmung konzentriert.
Langfristige Strategien zur Reduzierung von Angstzuständen
Auch die auf Achtsamkeit basierende Stressreduktion (MBSR) ist wirksam. Studien zeigen, dass es bei der Behandlung von Angststörungen genauso wirksam sein kann wie Medikamente und Ihnen beibringt, Körperempfindungen genauer zu interpretieren und eine Katastrophe zu vermeiden.
Lufthunger ist ein beängstigendes Erlebnis, aber letztlich handelt es sich dabei um eine Fehlinterpretation körperlicher Empfindungen. Wenn Sie den Mechanismus dahinter verstehen und Bewältigungsstrategien anwenden, können Sie die Kontrolle zurückgewinnen und die Intensität dieses häufigen Angstsymptoms verringern.






























