Ein weit verbreitetes Mundbakterium, Fusobacterium nucleatum, wurde in neuen Forschungsergebnissen direkt mit dem erhöhten Wachstum und der Ausbreitung von Brustkrebs in Verbindung gebracht. Die in Cell Communication and Signaling veröffentlichten Ergebnisse deuten auf einen bisher unterschätzten Zusammenhang zwischen der Mundgesundheit und dem Fortschreiten dieser tödlichen Krankheit hin.
Der Zusammenhang zwischen oralen Mikroben und Brustkrebs
Forscher haben in epidemiologischen Studien seit langem Zusammenhänge zwischen Parodontitis (Zahnfleischerkrankungen) und einem erhöhten Brustkrebsrisiko beobachtet. Diese neue Studie geht tiefer und zeigt, dass F. nucleatum kann vom Mund in das Brustgewebe wandern und dort Entzündungen und Zellveränderungen auslösen. Das Bakterium korreliert nicht nur mit Krebs; es scheint die Erkrankung aktiv zu verschlimmern. Die Studie wurde von zahlreichen kleineren Studien inspiriert, die einen Zusammenhang zwischen schlechter Mundhygiene und der Entstehung von Brustkrebs zeigten.
Wie das Bakterium Krebs fördert
An Mausmodellen und menschlichen Brustkrebszellen durchgeführte Experimente zeigen einen klaren Mechanismus:
- Entzündungen und Zellveränderungen: F. nucleatum induziert metaplastische und hyperplastische Läsionen in den Milchgängen der Brust – nicht krebsartige Veränderungen, die das Gewebe dennoch für eine Malignität vorbereiten.
- DNA-Schaden: Das Bakterium schädigt die zelluläre DNA und aktiviert fehleranfällige Reparatursysteme wie nichthomologe Endverbindungen, die Mutationen hervorrufen können.
- Erhöhte Tumoraggression: Die Exposition gegenüber dem Bakterium steigert die Bewegung, Invasion und Resistenz von Krebszellen gegen Chemotherapie. Das Bakterium erhöht den Spiegel eines Proteins namens PKcs, was diese Effekte verstärkt.
Genetische Veranlagung erhöht das Risiko
Die Studie ergab, dass Zellen, die BRCA1-Mutationen tragen, besonders anfällig für F sind. nucleatum. Diese Zellen exprimieren höhere Mengen eines Zuckers namens Gal-GalNAc, der dem Bakterium hilft, sich anzuheften und einzudringen, wodurch DNA-Schäden und das Fortschreiten des Krebses verstärkt werden. Dies deutet darauf hin, dass Personen mit angeborenen genetischen Schwachstellen möglicherweise einem noch höheren Risiko ausgesetzt sind, wenn sie diesem oralen Krankheitserreger ausgesetzt sind.
Implikationen für Mundhygiene und Krebsprävention
Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Krebsentstehung nicht nur durch die Genetik oder den Lebensstil bestimmt wird; Umweltfaktoren wie die Mundgesundheit können eine wichtige Rolle spielen. Obwohl noch weitere Forschung erforderlich ist, könnte die Aufrechterhaltung einer guten Mundhygiene möglicherweise das Brustkrebsrisiko verringern, insbesondere bei genetisch anfälligen Personen. Diese Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, das Mikrobiom – die Ansammlung von Bakterien in unserem Körper – als Schlüsselfaktor für das Fortschreiten von Krebs zu betrachten.
Die Studie wurde durch Zuschüsse der Breast Cancer Research Foundation, des Congressional Directed Medical Research Programs Department of Defense Breast Cancer Research Program, des John Fetting Fund for Breast Cancer Prevention und des Bloomberg~Kimmel Institute for Cancer Immunotherapy finanziert.
